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Im Mittelpunkt / 07. März 2024

Neuschöpfungen und Fachterminologien in der Energiewende

Der Klimaschutz und die Energiewende sind eines der vielen kontrovers diskutierten Themen unserer Zeit. Mit neuen Themen und politischen Schwerpunkten ziehen immer wieder neue Fachtermini in unsere Sprache ein. Dies ist auch im Bereich der Energiewende der Fall, denn auch hier müssen wir uns in der alltäglichen Kommunikation der Fachterminologien und einiger Neuschöpfungen bedienen. Kennen Sie einige Begriffe aus dem Bereich der Energiewende, die Einzug in unseren Sprachgebrauch gefunden haben? Den Kommentaren mitteilen.

 

Der Begriff Energiewende bezeichnet die Umstellung der Energieversorgung von fossilen Energieträgern und Kernkraft auf erneuerbare Energien. Ziel dieses Vorhabens ist es, bis im Jahr 2045 Energie hauptsächlich aus regenerativen Quellen (z. B. Wind-, Wasser- und Sonnenenergie sowie Geothermie oder nachwachsenden Rohstoffen) zu gewinnen. Zudem soll der Energieverbrauch durch eine sparsame und effiziente Nutzung reduziert werden. Was jedoch nur wenige wissen, ist, dass der Begriff „Energiewende“ gar nicht so neu ist.

 

Ursprung des Begriffs „Energiewende“

Der Begriff „Energiewende“ wurde vom Öko-Institut bereits im Jahr 1980 geprägt. Damals erschien das Buch „Energiewende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran“. In diesem Werk zeigten Wissenschaftler, dass eine Energieversorgung ohne Atomenergie und fossile Energieträger bis 2050 möglich ist.

 

Der Begriff „Energiewende“ erobert die USA.

Was auch überraschend klingen mag: Der deutsche Begriff hat sogar die USA erobert. Selbst die New York Times und der Economist nutzen das Wort, sobald von Deutschlands Plan, auf grüne und erneuerbare Energiequellen umzustellen, gesprochen wird.

Doch wir ahnen bereits, warum der Begriff auch in den USA zum Einsatz kommt. Richtig! Die richtige Übersetzung des Begriffs ist umstritten: energy transition (Energieübergang), energy revolution (Energierevolution), energy transformation (Energiewandel), energy turnaround (Energieumschwung), energy u-turn (Energiekehrtwende oder -kehre), national energy transformation (nationaler Energiewandel) und clean energy switch (Umstellung auf saubere Energie) treffen nicht zu 100 Prozent den Kern des Begriffs Energiewende. Vor allem den Begriff „Wende“ adäquat zu übersetzen, bereitet massive Probleme: turn (Wendung, Wende), rebound (Rückprall), reversal (Umschwung), tack (Wende beim Segeln) oder turning point (Wendepunkt).

 

Energiewende und Elektromobilität

Die Elektromobilität gilt als der Schlüssel der Energiewende im Verkehr. Auch hier haben viele neue Begriffe Einzug in die deutsche Sprache gefunden. Viele Begriffe stammen dabei aus dem Englischen, da die Automobilindustrie international tätig ist, das US-amerikanische Unternehmen Tesla als Vorreiter in diesem Bereich gilt und viele Bauelemente für Elektroautos, z. B. Batteriesysteme, aus dem Ausland kommen.

  • Vehicle-to-Grid (V2G): Eine Technologie, die es Elektrofahrzeugen ermöglicht, Energie nicht nur zu empfangen, sondern auch zurück ins Stromnetz zu speisen, um die Netzstabilität zu verbessern.
  • Range Anxiety: Die Sorge oder Angst vor der begrenzten Reichweite von Elektrofahrzeugen, die zu einer Hemmschwelle für die Akzeptanz von Elektromobilität führen kann.
  • Fast Charging: Schnellladetechnologien, die es ermöglichen, Elektrofahrzeuge in kurzer Zeit aufzuladen, um die Praktikabilität und Alltagstauglichkeit zu verbessern.
  • Battery Swapping: Ein Konzept, bei dem leere Batterien in Elektrofahrzeugen gegen aufgeladene Batterien ausgetauscht werden, um Ladezeiten zu minimieren.
  • Range Extender: Ein zusätzliches System, das in Elektrofahrzeugen verwendet wird, um die Reichweite zu verlängern, oft in Form eines kleinen Verbrennungsmotors oder als Plug-in-Hybrid-System.
  • Electric Vehicle Supply Equipment (EVSE): Die Infrastruktur und Geräte, die zum Laden von Elektrofahrzeugen verwendet werden, einschließlich Ladestationen, Kabeln und Anschlüssen.
  • Smart Charging: Intelligente Ladekonzepte, die den Ladevorgang von Elektrofahrzeugen an die Netzkapazität, Energiepreise oder andere externe Faktoren anpassen.
  • Bi-Directional Charging: Eine Technologie, die es Elektrofahrzeugen ermöglicht, nicht nur Energie aufzunehmen, sondern auch wieder in das Stromnetz zurückzuspeisen, ähnlich wie V2G, jedoch mit einem breiteren Anwendungsspektrum.
  • Wireless Charging: Drahtlose Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge, die es ermöglichen, Fahrzeuge ohne physische Kabelverbindungen aufzuladen, indem sie über Induktionstechnologie geladen werden.
  • Mobility-as-a-Service (MaaS): Ein Konzept, das verschiedene Verkehrsdienste (einschließlich Elektrofahrzeugen) integriert und sie als Service anbietet, der individuelle Mobilität flexibler und zugänglicher macht.

 

Beispiele: Fachterminologie im Bereich „Energiewende“

  • Erneuerbare Energien: Dies bezieht sich auf Energiequellen wie Sonne, Wind, Wasser und Biomasse, die sich regenerieren und als nachhaltige Alternative zu fossilen Brennstoffen dienen.
  • Netzdienstleistung: Dies beschreibt die verschiedenen Dienstleistungen, die das Stromnetz bereitstellen muss, um die Integration erneuerbarer Energien zu unterstützen, z. B. Frequenzregelung und Spannungshaltung.
  • Dezentralisierung: Die Energiewende treibt die Dezentralisierung voran, indem Energieproduktion und -verbrauch auf lokale Ebenen verlagert werden, z. B. durch kleine Solaranlagen auf Hausdächern.
  • Smart Grid: Ein intelligentes Stromnetz, das fortschrittliche Technologien nutzt, um Energie effizienter zu verteilen, Speicher zu verwalten und den Verbrauch zu optimieren.
  • Power-to-X (PtX): Diese Technologie wandelt überschüssige erneuerbare Energie in andere Formen um, z. B. Wasserstoff (Power-to-Gas), um sie zu speichern oder als Rohstoff für andere Anwendungen zu verwenden.
  • Sektorenkopplung: Die Verbindung verschiedener Energieverbrauchssektoren wie Verkehr, Wärme und Strom, um eine effizientere Nutzung erneuerbarer Energien zu ermöglichen.
  • Prosumer: Ein Prosumer ist jemand, der sowohl Energie verbraucht als auch produziert, z. B. durch Solarmodule auf dem eigenen Hausdach.
  • Energieeffizienz: Die Optimierung von Technologien und Verfahren, um die Menge an Energie, die für eine bestimmte Leistung benötigt wird, zu minimieren.
  • Flexibilitätsmärkte: Diese ermöglichen den Handel mit flexibler Energieerzeugung oder -verbrauch, um Angebot und Nachfrage auszugleichen, insbesondere bei fluktuierender erneuerbarer Energieerzeugung.
  • Energieautarkie: Ein Zustand, in dem eine Region oder ein Land seinen eigenen Energiebedarf vollständig aus erneuerbaren Quellen deckt, ohne auf externe Energieimporte angewiesen zu sein.
  • Virtuelle Kraftwerke: Die Bündelung vieler dezentraler Energieerzeugungs- und Speichersysteme zu einem einzigen virtuellen Kraftwerk, das flexibel Energie bereitstellen kann.
  • Blockchain im Energiemarkt: Die Anwendung von Blockchain-Technologie zur Verbesserung der Transparenz und Effizienz im Energiehandel und bei Transaktionen im Stromnetz.
  • Power-Purchase-Agreements (PPAs) für erneuerbare Energien: Langfristige Vereinbarungen zwischen Erzeugern erneuerbarer Energien und Abnehmern, die die Finanzierung und den Ausbau erneuerbarer Energieprojekte unterstützen.
  • Peer-to-Peer-Energiehandel: Direkter Handel mit Energie zwischen Endverbrauchern, der auf digitalen Plattformen basiert und die lokale Erzeugung und den Verbrauch unterstützt.
  • Demand-Side-Management (DSM): Strategien und Technologien, die es Endverbrauchern ermöglichen, ihren Energieverbrauch aktiv zu steuern und zu optimieren, um das Stromnetz zu entlasten.
  • Sector Coupling Platforms: Plattformen, die die Integration verschiedener Sektoren wie Verkehr, Industrie und Strom ermöglichen, um Synergien zwischen ihnen zu schaffen und die Nutzung erneuerbarer Energien zu maximieren.
  • Grid Edge Technologies: Technologien wie intelligente Zähler, IoT-Geräte und dezentrale Energieerzeugungseinheiten, die sich am Rand des Stromnetzes (Grid Edge) bewegen und die Effizienz und Flexibilität verbessern. Sie helfen, Infrastrukturen für die Elektromobilität auf ein neues Level zu heben oder mittels Integration von erneuerbaren Energien in ein Microgrid die Netto-Energiebilanz auf Null zu senken.
  • Energie-Communitys: Lokale Gemeinschaften, die zusammenarbeiten, um erneuerbare Energie zu erzeugen, zu speichern und zu teilen, oft in Form von Bürgerenergieprojekten.
  • Adaptive Energiemodelle: Fortgeschrittene Modelle und Algorithmen, die Energieverbrauch und -erzeugung, basierend auf Echtzeitdaten und Verhaltensanalysen, anpassen und optimieren können.
  • Hybride Energiesysteme: Kombinationen verschiedener Energiequellen und -technologien, wie z. B. Wind- und Solarenergie mit Speichersystemen oder Hybridkraftwerken.

 

Quellen und weiterführende Links:

 

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