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Interessantes / 04. Februar 2021

Sprachinseln in Europa: Siebenbürgisch-Sächsisch

Siebenbürgisch-Sächsisch ist die Sprache der Siebenbürger Sachsen und wird heute von ungefähr 200.000 Sprechern in Deutschland, Österreich sowie in der einstigen Herkunftsregion Siebenbürgen im heutigen Rumänien gesprochen. Welche Besonderheiten weist die Mundart im Vergleich zum Hochdeutschen auf und welchen Ursprung hat sie? Im Rahmen unserer kleinen Serien zum Thema deutsche Sprachinseln innerhalb und außerhalb Europas möchten wir Ihnen heute eine weitere deutsche Sprachinsel vorstellen. 

 

In Siebenbürgen im Herzen Transsylvaniens in Rumänien sprach man einst Deutsch; ein Deutsch, welches viele mittelalterliche Idiome und Formen für lange Zeit konservierte. Die bekanntesten Städte und Ortschaften Siebenbürgens sind Hermannstadt (Sibiu), Kronstadt (Brasov), Schäßburg (Sighisoara) und Klausenburg (Cluj-Napoca). Die Siebenbürger Sachsen sind seit dem 12. Jahrhundert in Siebenbürgen ansässig und gelten als die älteste noch existierende deutsche Siedlergruppe in Osteuropa. Siebenbürgen hatte nie Anschluss an reichsdeutsches Territorium, sondern gehörte zum Königreich Ungarn, zum Fürstentum Siebenbürgen bzw. zur Habsburgermonarchie und zu Österreich-Ungarn.

Siebenbürger-Sächsisch ist demnach im Hochmittelalter als Dialekt verschiedener deutscher Siedlergruppen entstanden, die phasenweise nach Siebenbürgen einwanderten. Eine Siedlergruppe aus Niederlothringen spielte dabei die wichtigste Rolle bei der Ausformung der Sprache.

Im Jahre 1930 lebten rund 300.000 Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen und im Jahre 2007 waren es noch rund 15.000. Die Mehrheit wanderte jedoch bereits im Jahr 1970 und im Jahr 1990 nach Deutschland aus. Die letzten zogen nach Ende des Kommunismus im Jahre 1989 nach. Heute leben die meisten Sprecher in Deutschland, aber auch in Österreich, Kanada und den USA. 

 

Welchen Ursprung hat das Siebenbürgisch-Sächsisch?

Das Siebenbürgisch-Sächsisch ist eine vom Moselfränkisch und Westmitteldeutschen geprägte Mundart und hat viele mittelalterliche Sprachformen bewahrt. Mittelalterliche Schriften aus Siebenbürgen unterscheiden sich hinsichtlich des Sprachgebrauchs und des Vokabulars nicht von vergleichbaren Schriftstücken aus anderen deutschen Sprachräumen. Daher hört man auch rein klanglich die Ähnlichkeit zum Mittel- und Althochdeutschen heraus. Die nächstverwandten Dialekte sind das Ripuarische und das Luxemburgische (Lëtzebuergesch).

Durch den Kontakt zu Ungarn und Rumänien finden sich auch Einflüsse aus diesen beiden Sprachen im Siebenbürgisch-Sächsisch, allerdings fand eine stärkere Prägung durch die Reformation und die Sprache der Lutherbibel statt. Dadurch wurde das Neuhochdeutsche zur Schriftsprache der Siebenbürger Sachsen. 

 

Verwandte Sprachen

Sowohl das Siebenbürgisch-Sächsisch als auch das Luxemburgisch haben sich als Reliktmundarten erhalten, allerdings hat die siebenbürgische Mundart innerhalb der 800 Jahre einen anderen Weg eingeschlagen als die anderen moselfränkischen Mundarten. Im Jahre 1768 verschlug es den Luxemburger Franz Xaver Feller nach Siebenbürgen und er war erstaunt, dass die Siebenbürger Sachsen den Tonfall und die Aussprache der Luxemburger haben.

Siebenbürger Sachsen, die nach Luxemburg reisen, kommen daher ins Schwärmen, wenn sie eine Sprache hören, die ihrer so ähnlich ist. Am Erker eines Hauses auf dem Fischmarkt liest man den Spruch „Mir wölle bleiwe wat mir sin“ (Wir wollen bleiben, was wir sind). Dieser Spruch ist vielen Siebenbürger Sachsen bekannt. 

 

Abgrenzung zu Sprachen anderer Minderheiten in Rumänien

Das Siebenbürgisch-Sächsisch darf aber nicht mit anderen Sprachinseln anderer deutscher Minderheiten in Rumänien, wie beispielsweise der Sathmarer- und Banater Schwaben, der Banater Berglanddeutschen, der Landlern, der Zipsern und der Bukowinadeutschen verwechselt werden. Diese Minderheiten haben wiederum eine andere Geschichte, sodass auch ihre Sprache einen anderen Ursprung hat und ganz anders als das Siebenbürgisch-Sächsisch ist.

 

Charakteristik des Siebenbürgisch-Sächsisch

Das Siebenbürgisch-Sächsisch ist sehr vokallastig und variierte in den einzelnen Dörfern und Städten der deutschsprachigen Siedler stark. Es gibt rund 250 Ortsmundarten, die sich alle voneinander unterscheiden, dennoch hatten die Siedler keinerlei Probleme sich untereinander zu verständigen. Die Vielfalt entstand aufgrund der jahrelangen Isolation und Abgeschiedenheit der einzelnen Orte. Zwischen den nördlichen Siedlungsgebieten und den südlichen Siedlungsgebieten (Hermannstadt, Kronstadt) gab es größere regionale Unterschiede, deswegen gibt es neben dem allgemeinen Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch auch das Nordsiebenbürgisch-Sächsische Wörterbuch.

 

Charakteristisch für alle Dialekte sind aber die folgenden Punkte:

  • Entsprechend dem moselfränkischen Lautstand ist die Zweite Lautverschiebung im Siebenbürgisch-Sächsisch nur teilweise umgesetzt. Wie in den hochdeutschen Varietäten heißt es zwar
    • Wasser - Wåsser (niederländisch: water)
    • Nass - nåss (niederländisch: nat)
    • Zeit - Zekt (niederländisch: tijd) (siehe auch Rheinische Gutturalisierung)

aber andererseits zeigen andere Wörter eine unverschobene Form:

  • det (das)
  • dåt (dass)
  • wåt (was)
  • genet (jenes)
  • en gadet (ein gutes)
  • zwäschen oder täschen (zwischen; niederländisch: tussen)
  • In allen Formen der siebenbürgischen Mundart sind n und ch vor einem s geschwunden:
    • Gås (Gans)
    • aser (unser)
    • Fuss (Fuchs)
    • Uëßelt (Achsel)
  • Das mittelhochdeutsche /i/ wird im Siebenbürgisch-Sächsisch als /ä/ ausgesprochen:
    • mät (mit)
    • däsch (Tisch)
    • fäsch (Fisch)
    • mäschen (mischen)
  • Das Siebenbürgisch-Sächsische diphthongiert Vokale:
    • Iësch (Asche)
    • wiëschen (waschen)
    • riëchts (rechts)

Sprachbeispiele des Siebenbürgisch-Sächsisch

  • Er isst die Eier immer ohne Salz und Pfeffer.
    • Hie asst de Aueier enjden ouenen Sauelz och Feiefer.
    • Hei ässt de Aucher aindjen îenen Saulz uch Feifer.
  • Ich will es auch nicht mehr wieder tun.
    • Ech wall et ouch netch mie mochen.
    • Iech wäall et uch nimi wieder dän.
  • Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser.
    • Et hiert glech af ze schnaueien, dernoua werd det Wadder bäießer.
    • Et hoirt gliech of ze schnauen, dernîä wid det Wodder wieder beißer.

 

Wo spricht man heute noch Siebenbürgisch-Sächsisch?

Nach der Aussiedlung und Flucht aus Siebenbürgen während des Zweiten Weltkriegs und der Auswanderungswelle nach dem Ende des Kommunismus im Jahre 1989 leben von rund 250.000 nur noch rund 17.000 Siebenbürger Sachsen in Rumänien, welche die siebenbürgische Mundart noch sprechen. Die Siebenbürger Sachsen, die in Deutschland und in anderen Ländern der Welt leben, sprechen nur noch zu Hause oder bei Treffen von siebenbürgisch-sächsischen Kulturvereinen die Mundart. Da sie kaum an die jüngere Generation weitergegeben wird, ist sie langsam vom Aussterben bedroht. Da das Hochdeutsche für viele Jahre die Schrift- und Unterrichtssprache der Siebenbürger Sachsen war, war dies nach der Auswanderung die vorrangige Kommunikationssprache, welche sie mit ihren Nachkommen sprachen. Die in Deutschland geborenen Kinder verstehen die Sprache meist, können sie aber nicht oder nur teilweise selbst sprechen.

Obwohl die in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Kinder der Siebenbürger Sachsen im Hinblick auf die Sprache keine Auffälligkeiten zeigen, ist der sächsische Akzent bei Siebenbürger Sachsen der älteren Generation beim Deutsch sprechen manchmal noch hörbar. Es ist ein „harter“, manchmal vom Österreichischen geprägter Akzent, bei dem das „R“ stark gerollt und das „L“ härter ausgesprochen wird. 

 

Videos und Sprachaufnahmen:

 

 

 

 

Sprachaufnahmen in siebenbürgisch-sächsischer Mundart; Siebenbuerger.de

 

 

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