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Interessantes / 30. September 2021

Sprachinseln: Kartoffeldeutsche in Dänemark

Den abwertenden oder spaßhaft gemeinten Begriff „deutsche Kartoffel“ kennt man nur zu gut. Doch was sind eigentlich Kartoffeldeutsche? Falls Sie unserer Serie aufmerksam folgen, wissen Sie bereits, dass es sich wieder um eine deutsche Sprachinsel handeln muss. 

 

Zwischen den Jahren 1759 und 1762 wurden Deutsche aus Hessen, Baden-Württemberg und der Pfalz vom dänischen König für die Kultivierung und Urbarmachung der jütischen Heidelandschaften in Dänemark angeworben. Aus ihrer Heimat brachten sie die Kartoffeln mit, eine Feldfrucht, die den Dänen noch unbekannt war. Deswegen benannten sie die Siedler nach der Feldfrucht: Kartoffeldeutsche (dänisch: Kartoffeltyskerne). Des Weiteren brachten sie aber auch Weißkohl, Rotkohl, Grünkohl, Karotten, Erbsen und Hirse mit.

 

Wo siedelten sich die Kartoffeldeutschen an?

Die deutschen Landwirte siedelten sich hauptsächlich in den Ackergebieten in der Gegend um Alheden bei Viborg und Randbøl Hede bei Billund an. Der König versprach den Kartoffeldeutschen Privilegien; sie erhielten Grund und Boden, bekamen die Haltung von Haustieren genehmigt, erhielten eine Aussteuer, genossen eine zwanzigjährige Befreiung vom Militärdienst und mussten keine Steuern zahlen.

Außerdem wurde ihnen die Pflege ihrer eigenen Sprache und ihres Brauchtums gewährt, was bei der Bevölkerung zu Unmut führte und im Jahre 1764 zu Pachtverträgen führte, die erst 1852 wieder aufgehoben wurden.

 

Das Wappen der Kartoffeldeutschen

Das Wappen der Kartoffeldeutschen ist in drei Teile geteilt, wobei die rechte Hälfte die Flagge Dänemarks zeigt. Auf der linken Seite befinden sich die beiden Wappen von Hessen und Württemberg, wobei sich das hessische auf einem blauen Hintergrund befindet und das württembergische auf einem goldenen. Die Mitte zeigt eine silberne Raute mit dem Einwanderungsjahr 1759 und ein goldenes Kartoffelmädchen.

 

Die Kartoffeldeutschen heute

Ab 1852 wurden die Kartoffeldeutschen nicht mehr von der dänischen Regierung unterstützt, wobei sie die Höfe entweder kaufen oder pachten konnten. Heute wird in der Region kein Ackerbau mehr betrieben, sondern Holz- und Forstwirtschaft. Ab 1800 begann die Assimilation der deutschen Bauern, dennoch pflegen einige bis heute die Traditionen der alten Heimat. Daher schloss sich in Frederiks im Jahr 1985 der Heimatverein der Kartoffeldeutschen zusammen und im Vorjahr wurde hier das Kartoffelmädchen (dänisch: Kartoffelpigen) aufgestellt. Noch heute weisen Nachnamen wie Bitsch, Cramer, Dickes, Frank, Hermann oder Ölschläger auf die deutschen Einwanderer hin.

 

Alle Artikel über Sprachinseln in unserem Blog

 

 

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