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Grammatik / 28. Juni 2018

ß oder scharfes s – ein Opfer der Rechtschreibreform

Der falsche Gebrauch von ß und ss ist einer der häufigsten Fehler in der deutschen Sprache.

Gleichzeitig ist kein anderes Zeichen so sehr mit der deutschen geschriebenen Sprache verknüpft wie scharfes s oder ß, auch Eszett genannt. Allerdings ging die letzte Rechtschreibreform dem ß mächtig an den Kragen, indem sie es rigoros aus einigen Wörtern verbannte.

Einige Muttersprachler wünschen ihm sogar das Exil und möchten das arme Eszett ein für alle Mal in der typographischen Mottenkiste verschwinden lassen.

Andere Muttersprachler sind begeisterte Eszett-Fans und halten krampfhaft an der alten Schreibweise fest – manchmal mehr oder weniger orthographisch korrekt.

Woher kommt die Verunsicherung?

Neben den möglicherweise verwirrenden Regeln der neuen Rechtschreibreform trägt aber auch ein nicht einheitlicher Gebrauch des scharfen S in den deutschsprachigen Ländern seinen Teil zur allgemeinen Verwirrung bei. Genauer gesagt, wird das ß nur in Deutschland und Österreich, nicht aber in der Schweiz, verwendet. In der Schweiz wird das ß durchweg durch ein Doppel-s ersetzt.

Die Regel für den Gebrauch von ß

Selbst wenn nicht jeder die neue Rechtschreibreform mag, gibt es gute Neuigkeiten. Nach den alten Rechtschreibregeln hatte das Eszett noch einen größeren Spielraum als jetzt, was wiederum heißt, dass es nun eindeutige Regeln gibt, wann Wörter mit ß geschrieben werden.

→ Merken Sie sich:

  • Auf einen kurz gesprochenen Vokal folgt ein Doppel-s: Schloss, nass, dass, Kuss, Genuss.
  • Auf einen lang gesprochenen Vokal oder ein Diphthong folgt ein ß: Spaß, Gruß, Klöße, Soße, heiß, Fleiß, Preußen.

Nach Diphthongen (Doppellauten) wie au, äu, eu, ie und ei, steht grundsätzlich ein ß.

  • Ich weiß nicht.
  • Es ist kalt draußen.
  • Er ist fleißig.
  • Die preußischen Köstlichkeiten.
  • Er trug äußerliche Verletzungen davon. 

Nach langen Vokalen steht grundsätzlich ein ß:

  • Er hat ein großes Floß und eine Menge Spaß damit.
  • Ich lief über die Straße, denn ich vergaß, ihn zu grüßen.

Nach einem kurzen betonten Vokal folgt ein stimmloses s, ein Doppel-s:

  • Das Fass war nass und er wusste es.
  • Er musste seinen Pass vorzeigen.

Ausnahmen

Wörter, die mit -nis oder -ismus enden, werden weiterhin mit einem einfachen s geschrieben.: Hindernis, Verhängnis, Bedrängnis, Ergebnis. Liberalismus, Egoismus.  

Bei der Versalienschreibung wird das ß meist als großes Doppel-s dargestellt. Seit gut einem Jahr gibt es nun auch das ß als Großbuchstabe.

→ ACHTUNG! GEFÄHRLICHER SCHLIESSMECHANISMUS.

Wörter mit Auslautverhärtung (Haus, graziös) werden mit einem einfachen s geschrieben. Dies kann man bei Nomen einfach anhand der Pluralform nachprüfen, indem man beispielsweise aus Haus Häuser macht.

Ebenso sind Eigennamen von der Regelung ausgeschlossen.

Fazit

Das ß gibt es nicht in der Schweiz, sondern nur in Deutschland und Österreich. Nach einem langen Vokal oder einem Diphthong folgt ein ß, wohingegen nach einem kurzen Vokal stets ein Doppel-s folgt. 

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