Für viele von uns ist es selbstverständlich:
das neue Jahr beginnt am 1. Januar, Weihnachten feiern wir am 25. Dezember.
Der Kalender scheint eindeutig – und doch ist er es nicht.
Denn weltweit gibt es zahlreiche Kulturen, Religionen und Kalendersysteme, in denen Neujahr und Weihnachten zu ganz anderen Zeiten gefeiert werden. Und genau das macht diese Feste nicht nur kulturell, sondern auch sprachlich so spannend.
Wenn das neue Jahr später beginnt
Orthodoxes Neujahr – 14. Januar
In Ländern und Gemeinschaften, die sich am julianischen Kalender orientieren (z. B. in Teilen Osteuropas oder auf dem Balkan), fällt Neujahr auf den 14. Januar.
Der Grund: der julianische Kalender liegt derzeit 13 Tage hinter dem gregorianischen.
Chinesisches Neujahr
Das wohl bekannteste „bewegliche“ Neujahrsfest wird nach dem Mondkalender berechnet und fällt je nach Jahr zwischen Ende Januar und Mitte Februar.
Sprachlich interessant: es heißt nicht einfach Neujahr, sondern oft Frühlingsfest, was bereits zeigt, wie stark Sprache und kulturelle Bedeutung miteinander verknüpft sind.
Nowruz – das persische Neujahr
Nowruz beginnt zur Tagundnachtgleiche am 21. März und markiert den Frühlingsanfang. Gefeiert wird es u. a. im Iran, in Afghanistan und in Teilen Zentralasiens.
Hier steht weniger das „neue Jahr“ im rechnerischen Sinn im Vordergrund, sondern der Neubeginn des Lebens.
Äthiopisches Neujahr
In Äthiopien beginnt das neue Jahr erst im September, da dort ein eigener Kalender mit 13 Monaten verwendet wird.
Weihnachten – nicht immer am 25. Dezember
Orthodoxes Weihnachten – 7. Januar
Viele orthodoxe Kirchen feiern Weihnachten nach dem julianischen Kalender, was dem 7. Januar im gregorianischen Kalender entspricht.
Armenisches Weihnachten – 6. Januar
Die Armenische Apostolische Kirche verbindet Weihnachten und Epiphanias zu einem einzigen Festtag – gefeiert am 6. Januar.
Warum das auch sprachlich interessant ist
Diese Unterschiede sind mehr als bloße Kalenderdetails. Sie beeinflussen:
- die Benennung von Feiertagen,
- Übersetzungen in internationalen Kontexten,
- den richtigen Zeitpunkt für Grußformeln,
- und nicht zuletzt die Bedeutung von Begriffen wie Neujahr, Weihnachten oder Jahresende.
Was in einem Land noch „vor Weihnachten“ ist, kann anderswo längst „nach den Feiertagen“ sein.
Gerade im Übersetzen und in der interkulturellen Kommunikation ist dieses Wissen entscheidend.
Feste, Sprache und Kultur gehören zusammen
Feiertage sind keine universellen Fixpunkte, sondern kulturelle Konstrukte.
Sie folgen Kalendern, Traditionen und religiösen Vorstellungen – und all das spiegelt sich in der Sprache wider.
Vielleicht ist es gerade deshalb so faszinierend, dass wir jedes Jahr „Frohes neues Jahr“ sagen, obwohl dieses neue Jahr für viele Menschen auf der Welt noch gar nicht begonnen hat.
Und genau darin liegt der Reiz von Sprache:
sie zeigt uns, dass Zeit nicht nur gezählt, sondern auch kulturell verstanden wird.










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