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Im Mittelpunkt / 05. September 2019

Gibt es unübersetzbare slowenische Wörter?

Ob ein Wort übersetzbar ist, hängt nicht nur von der Sprache, aus der es übersetzt wird, sondern auch von der Zielsprache ab. Übersetzbar ist eigentlich fast alles, denn es kann erklärt bzw. beschrieben werden. Es kommt aber oft vor, dass Wörter der Ausgans- und Zielsprache nicht völlig übereinstimmen. Es gibt Textsorten, in denen die Erklärung eines Wortes den eigentlichen Sinn nicht genau erkennen lässt.

Wie übersetzen wir Worte, Redewendungen, Wortspiele (oder sogar grammatische Strukturen), die es in der Zielsprache nicht gibt und die dazu noch eine starke kulturspezifische Nebenbedeutung haben? Heute haben wir Beispiele aufgelistet, die ausmalen sollen, welche Fragen sich ein Übersetzer stellen und beim Übersetzen beachten muss.

 

Das unübersetzbare Genus

Wenn ein slowenischer Text in der Ich-Form geschrieben ist, wird das Geschlecht schon durch bestimmte Endungen der Verben angegeben:

  • Vstala sem. („ich bin aufgestanden“ für eine weibliche Person)
  • Vstal sem. („ich bin aufgestanden“ für eine männliche Person)

Wenn z. B. ein slowenischer Roman aus der Ich-Erzähler-Perspektive geschrieben ist, erkennt der slowenische Leser ziemlich schnell, ob es sich um einen männlichen oder einen weiblichen Protagonisten handelt.

Was aber im Deutschen nicht der Fall ist. So könnten wir in der deutschen Sprache einen ganzen Roman lesen, ohne zu wissen, ob es sich beim Erzähler um einen Mann oder eine Frau handelt. Einerseits ist das eine wunderbare Schreibmöglichkeit. Stellen Sie sich aber einen slowenischen Übersetzter vor, der so einen Roman ins Slowenische übersetzten müsste, wobei sich der Sinn des Romans im versteckten Genus verbergen würde.

 

Die Zweizahl

Die Zweizahl ist eine grammatische Kategorie der slowenischen Sprache, die eine besondere Intimität schafft, die in der deutschen Sprache anders ausgedrückt werden muss (du und ich, wir zwei ...). Es geht also nicht darum, dass sie unübersetzbar wäre. Jede Sprache ermöglicht eine eigene Ausdrucksweise (die eine durch Verben, die andere z. B. durch Pronomen). Trotzdem gibt es Beispiele, bei denen gerade dieses einzelne Wort, ein Verb, das alles andere vergisst und die Welt um sich auslöschen lässt, eine Atmosphäre schafft, an die sich eine Übersetzung oft nur annähert.

  • greva („gehen wir“ für zwei männliche Personen oder eine männliche und eine weibliche Person)

 

Rabutati, bentiti und paberek

  • rabutati („vom fremden Gelände nehmen, klauen, rauben“)

Es handelt sich um einen Ausdruck, den wir in der slowenischen Sprache umgangssprachlich verwenden, um die Aktion zu bezeichnen, wenn jemand vom fremden z. B. Garten, Acker, Obstgarten oder Feld Früchte klaut. Die Bedeutung ist viel begrenzter als beim Verb krasti („klauen“). Interessant ist aber, dass das Wort rabutati wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen Wort rauben abgeleitet wurde, es dann aber eine spezifischere Bedeutung bekam.

  • paberek („eine Frucht, die bei der Ernte versehentlich stehen gelassen wurde“)

Ein lustiges und interessantes slowenisches Wort für die Frucht, die bei der Ernte versehentlich stehen gelassen wurde und bei der Nachlese aufgelesen wird (z. B. eine Traube).

  • bentiti („seine Unzufriedenheit laut äußern, fluchen“)

Fluchen heißt auf Slowenisch preklinjati. Bentiti ist ein weiteres Wort für Fluchen. Seine Spezifik versteckt sich im Fluchwort jebenti/jebem ti (das wiederum aus der kroatischen bzw. serbischen Sprache kommt), von dem es wahrscheinlich abgeleitet wurde. Es handelt sich also um ein Fluchwort, mit dem das Fluchen allgemein benannt wurde.

 

Wenn in slowenischen Witzen, Romanen oder bei der alltäglichen Kommunikation Schimpfwörter des ehemaligen gemeinsamen Staates vorkommen, werden sie nicht übersetzt.
Sie sind noch immer allgemein bekannt und ein Teil der slowenischen Umgangssprache.
Wenn man sie durch slowenische Fluchwörter ersetzen würde, hätte der Text bzw. das Gesagte eine viel mildere Wirkung.

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