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Im Mittelpunkt / 19. September 2019

Unübersetzbare slowenische Ausdrücke? – Teil 2

Kulturspezifische Ausdrücke gibt es in jeder Sprache. Sie benennen z. B. Gegenstände, die spezifisch für den Kulturraum einer Sprache sind und keinen entsprechenden Ausdruck in der Zielsprache haben (z. B. kurent). Kulturspezifisch sind aber auch Begriffe, die in der Zielsprache zwar einen Ausdruck haben, in der Ausgangssprache aber semantisch vielschichtiger sind oder sogar mehrere Synonyme haben.

Nicht unübersetzbar aber trotzdem interessant ist das slowenische Wort izvoliti. Die eigentliche Bedeutung versteckt sich im Verb wählen (oder auserwählt sein), es wird aber auch in der Bedeutung Bitte! und Bitte nach Ihnen! verwendet, wenn man jemandem den Vortritt lässt oder jemandem eine Speise gereicht wird. Wenn man also z. B. einen Kaffee bekommt, hört man: izvoli (duzen) oder izvolite (siezen).

 

Speisenamen

Speisen sind ein besonderer Bereich, denn es kommt bestimmt oft vor, dass wir dieselbe Speise, für die wir zu Hause nur einen Namen kennen, in jedem anderen Land unter einem neuen Begriff wiedererkennen.

⇒ potica (mit Nüssen oder Mohn gefüllte Mehlspeise, eine Art Kuchen aus zusammengerolltem und gefülltem Teig)

 

Es handelt sich um eine Verkürzung des Substantivs povitica, das vom Verb poviti (wickeln) abgeleitet wurde.
Im Wort versteckt sich der Zubereitungsprozess der leckeren Mohn- oder Nussspeise,
bei der die Füllung in den Teig eingerollt bzw. eingewickelt wird und die fertige Speise ein ähnliches Muster wie die Roulade hat. 

 

Hier einige Übersetzungsvorschläge:

a) die Potitze (österreichisch)

Durch das Lehnwort wird das Original zwar erhalten, aber auf Kosten der Nennung des Zubereitungsprozesses. Auf der anderen Seite ist auch im slowenischen Namen durch die Wortverkürzung der Zubereitungsprozess nur verschwommen.

 

b) Rollkuchen

Scheint auf der Wortbildungsebene sehr gut zu passen, es gibt aber eine andere Speise, die bereits den Namen trägt.

 

c) Mohnwickel

Könnte eventuell für die Mohn-Variante verwendet werden, doch die Zubereitungsart scheint mit der slowenischen nicht übereinzustimmen.

 

⇒ prekmurska gibanica

Das slowenische Nationalgericht kommt aus dem Osten. Es handelt sich um einen Strudel aus Äpfeln, Mohn, Sauerrahm und Walnüssen.

 

a) Vierlingsstrudel

Aus diesem Wort erkennen wir, dass vier Füllen verwendet werden, erfahren aber nicht, dass es aus Prekmurje kommt (es sei denn man weiß, dass vier Füllungen nur in dieser Region vorkommen).

 

b) Gibanica-Strudel

Der Oberbegriff gibanica wird für mehrere Gerichte, die nicht nur unterschiedlich zubereitet werden, sondern auch aus unterschiedlichen Regionen kommen, verwendet.

 

Kulturspezifische Ausdrücke sind ein Beispiel dafür, was den Übersetzern einen Schrecken einjagen kann, weil sie auf den ersten Blick unübersetzbar erscheinen. Doch gerade solche Beispiele können dem Übersetzer auch die größte Freude bereiten und eine Herausforderung sein.

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