Eine interessante Besonderheit der deutschen Sprache sind vor allem die substantivischen Komposita, die sehr vielgliedrig sein können.
Dabei entstehen sehr lange Verbindungen, wie beispielsweise der berühmte Donaudampfschifffahrtskapitän oder das bisher längste Wort Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung mit 67 Buchstaben.
Das Deppenleerzeichen
Das Deppenleerzeichen gehört zu den beliebtesten Alltagsfehlern der deutschen Sprache, doch auch der Bindestrich wird häufig falsch gebraucht. Obgleich die Schreibweise mit Bindestrich (Donau-Dampfschiff) noch halbwegs als richtige Schreibweise durchgehen kann, ist die Schreibweise „Donau Dampf Schiff“ grundsätzlich falsch. Hierbei handelt es sich um ein zusammengesetztes Wort, das zusammengeschrieben werden muss.
Wann setzt man einen Bindestrich?
Im Grunde genommen ist der Bindestrich verbindend, gliedernd, betonend und ergänzend. Somit kann er als Hervorhebung einzelner Elemente in Wortbindungen auftreten, um deutlich zu machen, dass diese Elemente betont werden sollen (Ich-Bezogenheit, Top-Agentur).
Ferner dient der Bindestrich zur Übersichtlichkeit (Hawaii-Inseln), insbesondere auch bei zwei fremdsprachlichen Nomen (Online-Marketing) oder gleichrangigen Adjektiven (Einnahme-Überschuss-Rechnung, Home-Office).
Auch längere Substantivierungen mit Infinitiven schreibt man mit Bindestrich, damit sie verständlicher sind:
- Die Kunst-sich-nochmal-alles-durch-den-Kopf-gehen-Lassens.
Hierbei wird immer das erste Wort, das substantivierte Verb und alle Substantive großgeschrieben.
Der Bindestrich wird zwischen allen Teilen von Wortzusammensetzungen (Dritte-Welt-Länder, Gute-Nacht-Geschichte) und Aneinanderreihungen verwendet (das Sowohl-als-auch). Erweiterte Infinitive, die aus nur zwei Teilen bestehen, schreibt man zusammen, wenn sie ein Nomen bilden (das Kaffeetrinken, das Kirschenpflücken).
Groß- und Kleinschreibung mehrgliedriger Substantive
Der erste Teil des zusammengesetzten Nomens mit Bindestrich wird großgeschrieben, selbst wenn dieser Wortteil kein Nomen ist: Der Trimm-dich-Pfad und das In-den-Tag-hinein-Leben.
Wortbestandteile, die allerdings keine Nomen sind, werden in Zusammensetzungen mit Bindestrich kleingeschrieben. Eine Ausnahme bildet der erste Buchstabe bei den Zusammensetzungen von Nomen und der als Nomen gebrauchte Infinitiv in mehrgliedrigen Infinitivgruppen (das Aus-der-Haut-Fahren). Ebenso bleiben kleingeschriebene Abkürzungen und als Kleinbuchstaben zitierte Einzelbuchstaben am Wortanfang kleingeschrieben (der s-Genitiv, das i-Tüpfelchen, der pH-Wert).
- Links-rechts-Kurve
- O-Beine
- Van-Gogh-Ausstellung
- In-der-Nase-Bohren
Fazit
Erster Teil des Kompositums mit Bindestrich wird großgeschrieben (das In-den-Tag-hinein-Leben). Wortbestandteile, die keine Nomen sind, werden bei Zusammensetzungen mit Bindestrich kleingeschrieben (das In-den-Tag-hinein-Leben) und Substantive werden immer großgeschrieben (das In-den-Tag-hinein-Leben). Ebenso wird das substantivierte Verb großgeschrieben (das In-den-Tag-hinein-Leben).










Comments
Sehr interessant! Ich
Eingereicht von Holger Häußermann am
Sehr interessant! Ich vermisse noch den Fall von zusammengesetzten Wortteilen, bei denen nur ein Teil ein fremdsprachlicher Ausdruck ist: new deal-Strategie oder New-Deal-Strategie oder new-deal-Strategie? Auch die Kombination mit Eigennamen würde mich interessieren: heißt es "Das Alte Testament"-Zitat oder Das-Alte-Testament-Zitat? Danke!PS: Euch ist wohl oben ein Tippfehler passiert: "Die Kunst-sich-nochmal-alles-durch-den-Kopf-gehen-Lassens."
Per Rechtschreibung sollten
Eingereicht von Leemeta am
Per Rechtschreibung sollten alle Wortteile mit einem Bindestrich verbunden werden, es gibt aber in der letzten Zeit die Tendenz, nur die letzten zwei Teile zu verbinden, was immerhin nicht mehr als ein Fehler betrachtet wird. Den Tippfehler überprüfen wir sofort.
Danke für die klare
Eingereicht von Frank Schlesinger am
Danke für die klare Darstellung.Ihr Beispiel »Die Kunst-sich-nochmal-alles-durch-den-Kopf-gehen-Lassens« ergibt für mich aber in dieser Form keinen Sinn, denn der Artikel am Anfang (»die«) bezieht sich hier wohl auf »Kunst«, müsste sich aber eigentlich auf das letzte Wort des Kompositums beziehen (»das Lassen«). Müsste es nicht eigentlich heißen: »Die Kunst des Sich-nochmal-alles-durch-den-Kopf-gehen-Lassens«?
Danke für Ihre Meinung. "Die"
Eingereicht von Leemeta am
Danke für Ihre Meinung. "Die" in diesem Fall bezieht sich immer noch auf die Einleitung oben bzw. das Wort "Substantivierung", also nicht direkt auf das nachstehende Wort. Sonst wäre Ihre Erklärung aber vollkommen korrekt.
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