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Stilmittel, rhetorische Figuren, Deutsch
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Sprachdilemmas / 04. März 2021

Rhetorische Figuren – ein Überblick

Rhetorische Figuren sind Systeme der Sprache, welche Wörter und Sätze in einer ganz bestimmten Art und Weise nutzen, um beim Leser oder Hörer eine besondere Wirkung zu erzielen. Es kann auch eine Technik sein, um ein spezielles Gefühl zu erzeugen. Dies macht sich meist die Werbung zunutze.

 

Woher kommen rhetorische Figuren?

Die geläufigsten Stilmittel stammen vor allem aus der antiken Rhetorik und Poetik, daher kommen auch die Bezeichnungen meist aus dem Griechischen und Lateinischen, in wenigen Ausnahmefällen aus dem Französischen oder anderen Sprachen. Des Weiteren sind die Definitionen der Figuren unterschiedlich und einige Bezeichnungen werden als synonym betrachtet (z.B. Tautologie und Pleonasmus). In anderen Fällen bezeichnet ein Name in verschiedenen Systemen unterschiedliche Mittel (z.B. Katachrese).

 

Wo werden rhetorische Figuren eingesetzt?

Rhetorische Stilmittel werden oft in Werbung, Reden oder Schriftstücken eingesetzt und sollen eine besondere Wirkung auf den Leser erzielen. Einige Stilmittel werden jedoch alltäglich benutzt, beispielsweise die Ellipse.

Cicero setzte sich rege für den Gebrauch rhetorischer Figuren ein, um so den Geist des Hörers herauszufordern. John Locke stellte sich mit der Forderung nach einem wissenschaftlichen Stil gegen jegliche Figuration, die lediglich zur Verschleierung der Sinne führe. 

 

Eine Übersicht der wichtigsten rhetorischen Figuren

Rhetorische Figur

Erklärung

Beispiel

Akkumulation

Eine Aneinanderreihung von Wörtern zu einem Oberbegriff, der genannt oder nicht genannt wird.

Nun ruhen alle Wälder, Tiere, Menschen, Städte und Felder.

Allegorie

Konkrete Darstellung von abstrakten Begriffen oder Gedanken, oft durch Personifikation.

Der Sensenmann als Skelett in schwarzer Kutte mit Sense in der Hand steht für den Tod.

Anapher

Wiederholung von Wörtern oder Wortgruppen bei Anfängen von Versen oder Sätzen zur Verstärkung des Gesagten.

Ja, da kann man sich doch nur hinlegen.
Ja, da muss man kalt und herzlos sein.
Ja, da könnte so viel geschehen.
Ach, da gibt’s überhaupt nur: nein.
*Bertolt Brecht - Die Dreigroschenoper*

Apostrophe

Scheinbare Abwendung des Sprechers vom Publikum und Anrede einer imaginären Person. Zum Beispiel wendet sich Antigone ab und richtet sich an die Götter.

„Bedecke deinen Himmel, Zeus, / Mit Wolkendunst!“ *Johann Wolfgang von Goethe - Prometheus*

 

Alliteration

Die Anfangslaute werden in benachbarten Wörtern wiederholt.

Blaukraut bleibt Blaukraut, und Brautkleid bleibt Brautkleid.

Antithese

Gedanken und Begriffe werden gegenübergestellt.

Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. 

*Friedrich Schiller – Die Glocke*

Chiasmus

Kreuzstellung von syntaktisch oder semantisch einander entsprechenden Satzgliedern.

Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben.

*Johann Wolfgang von Goethe – Faust*

Correctio

Ein zu schwacher Ausdruck wird korrigiert.

Doch beachtet die Dummheit dieses Menschen, oder (ich sollte sagen =) besser gesagt: dieses Schafskopfs!  *Cicero: Phlippicae 2:30*

Ellipse

Ein Satzteil, der nicht für das Verständnis wichtig ist, wird ausgelassen.

1. Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde.

*Johann Wolfang von Goethe*

2. Ende gut, alles gut.

3. Je früher, desto besser.

4. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Epipher

Wiederholung wichtiger Wörter oder Wortgruppen am Satz- oder Versende. Gegenstück ist die Anapher.

Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit! *Friedrich Nietzsche*

Euphemismus

Beschönigende Umschreibung oder Verschleierung einer unschönen Tatsache oder unheilbringenden Sache.

  • „das Zeitliche segnen“ statt sterben
  • „das Weite suchen“ statt fliehen
  • „dritte Zähne“ statt künstliches Gebiss
  • „Seniorenresidenz“ statt Altersheim
  • „bildungsfern“ statt ungebildet

Hyperbel

Eine starke Übertreibung, wobei der Begriff vergrößert oder verkleinert wird.

  • wie Sand am Meer
  • Todmüde
  • Bärenhunger
  • Schneckentempo
  • Es dringen Blüten aus jedem Zweig und tausend Stimmen aus dem Gesträuch. *Johann von Goethe*

Katachrese

Hierbei handelt es sich um metaphorische Bilder, die nicht zusammenpassen.

  • Tischbein
  • Maus am Computer
  • Reinen Tisch einschenken anstatt reinen Wein einschenken.
  • Über die eigene Haut springen anstatt über den eigenen Schatten springen.

Klimax

Eine dreistufige Steigerung eines Begriffs vom wenig Bedeutsamen zum Bedeutsamen oder vom Kleinsten zum Größten.

  • Heute back' ich, morgen brau' ich, übermorgen hol' ich der Königin ihr Kind.
  • Veni, vidi, vici (Ich kam, sah und siegte!)

Litotes

Eine Bejahung mithilfe einer doppelten Verneinung oder untertriebene Ausdrucksweise.

  • Du bist nicht gerade die hellste Kerze im Leuchter.
  • Er ist wirklich kein Gentleman.
  • Ich glaube nicht, dass er nichts mit der Sache zu tun hat.

Metapher

Übertragene Bedeutung oder sprachliche Verbindung zweier semantischer Bereiche, die nicht verbunden wären.

  • Gegen Windmühlen kämpfen
  • Auf einer Erfolgswelle reiten
  • Nägel mit Köpfen machen
  • Der Wink mit dem Zaunpfahl
  • Die Mauer des Schweigens
  • Jemandem das Wasser reichen
  • Die Nadel im Heuhaufen

Metonymie

Ersetzung eines Worts durch ein anderes, welches zu diesem in einer unmittelbaren Relation steht.

  • Dies bringt keine Lorbeeren (anstatt Erfolg).
  • Napoleon marschiert ein (anstatt die französischen Truppen Napoleons).
  • Mit dem Eisen bezwingen (anstatt Schwert).
  • Ich habe Goethe gelesen (anstatt ein konkretes literarisches Werk).

Onomatopoesie

Lautmalerei, die so ähnlich klingt, wobei die akustischen Eindrücke durch die Sprache rekonstruiert werden.

  • Rascheln, summen, murmeln etc.
  • Aha!
  • Kuckuck
  • Peng!

Oxymoron

Zwei Wörter werden verbunden, die sich gegenseitig ausschließen. Erzielt eine pointierte Wirkung.

  • Trauerfeier
  • Trockeneis
  • Wonneschmerz
  • Hassliebe
  • Feuerwasser

Paradoxon

Ein scheinbarer Widerspruch, da die Aussage zunächst unsinnig erscheint. Bei genauer Überlegung birgt sie jedoch eine Wahrheit.

  • Ich weiß, dass ich nichts weiß (Sokrates)
  • Das Leben ist der Tod, und der Tod ist das Leben.
  • Immerhin sind wir uns einig, dass wir uns nicht einig sind.
  • Umsonst ist nur der Tod und der kostet das Leben.
  • Das ist so wahr, dass es nur falsch sein kann.

Parenthese

Satzeinschub, der grammatisch selbständig ist und die Syntax nicht verändert.

  • Ich würde gerne – gewährt mir die Bitte – einen Rotwein trinken.
  • Eines Tages – es war mitten im Sommer – erschienen unzählige Mücken.

Periphrase

Begriffsumschreibung durch andere Wörter.

  • Götter in Weiß (als Ärzte)
  • Der Vogel Jupiters (als Adler)
  • Das Land, wo die Zitronen blühen (Italien)
  • Der Allmächtige (Gott)
  • Das Auge des Gesetzes (Polizei)

Personifikation

Vermenschlichung abstrakter Begriffe oder lebloser Gegenstände, indem man ihnen menschliche Eigenschaften zuweist.

  • Die Sonne lacht.
  • Der Himmel weint.
  • Blinde Wut
  • Mir winkt das Glück.

Pleonasmus

Doppeltes Begriffspaar; ein Wort, das durch einen charakteristischen Begriff beschrieben wird.

  • Runde Kugel
  • kaltes Eis
  • stillschweigen
  • persönliche Anwesenheit
  • schwarzer Rappen
  • Gratis-Geschenk

Rhetorische Frage

Scheinfrage, die keiner Antwort bedarf, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen.

  • Ich wusste, dass es stimmt.
  • Habe ich es nicht gleich gesagt?
  • Muss das sein?
  • Bin ich deine Mutter?

Symbol

Sinnbild, das auf etwas Allgemeines hinweist. Meist ein Objekt, das für einen Sinnzusammenhang steht.

  • Weiße Taube für Frieden
  • Kleeblatt für Glück
  • Waage für Gerechtigkeit
  • Kreuz für das Christentum

Tautologie

Begriffswiederholung oder Verbindung von zwei Begriffen, welche die gleiche Bedeutung haben.

  • Feuer und Flamme sein
  • Ihre Leidenschaften sind List und Tücke.
  • Es ist wie es ist.

 

 

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