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Künstliche Intelligenz macht typische Fehler in der deutschen Sprache – fünf Beispiele aus der Praxis.
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Sprachdilemmas / 05. Februar 2026

ChatGPT und Deutsch: fünf typische Fehler, die KI macht

Künstliche Intelligenz schreibt Texte, beantwortet Fragen und übersetzt in Sekundenschnelle. Auch auf Deutsch. Oft erstaunlich gut, manchmal sogar stilistisch elegant. Und doch gilt: auch ChatGPT macht Fehler – gerade in der deutschen Sprache.

Warum? Weil Deutsch ein präziser, regelreicher und gleichzeitig kontextabhängiger Sprachraum ist. Artikel, Fälle, Wortstellung, feste Wendungen und kulturelle Feinheiten stellen selbst für KI eine Herausforderung dar. In diesem Artikel zeigen wir fünf besonders typische und interessante Fehler, die ChatGPT beim Schreiben oder Übersetzen ins Deutsche macht – und erklären, warum sie entstehen.

 

1. Artikel und Fälle: korrekt gemeint, falsch umgesetzt

Der Klassiker unter den Fehlern betrifft Genus und Kasus. Obwohl ChatGPT weiß, dass Nomen im Deutschen ein grammatisches Geschlecht haben, liegt es in der Praxis nicht immer richtig.

Beispiel:
Falsch: Ich habe einen Idee.
Richtig: Ich habe eine Idee.

Oder:
Falsch: Die Antwort des Kunde war unklar.
Richtig: Die Antwort des Kunden war unklar.

Der Grund ist simpel: ChatGPT arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten. Wenn ähnliche Wortkombinationen häufig vorkommen, kann das System zu einer falschen, aber „plausibel klingenden“ Lösung greifen. Für Muttersprachler ist der Fehler sofort hörbar – für eine Maschine nicht immer eindeutig.

 

2. Wortstellung in Nebensätzen: das Verb kommt zu früh

Die deutsche Satzstellung, insbesondere in Nebensätzen, ist eine weitere Stolperfalle. Konjunktionen wie weil, dass, obwohl oder wenn verlangen das Verb am Satzende. Genau hier passieren häufig Fehler.

Beispiel:
Falsch: Ich bin müde, weil ich habe schlecht geschlafen.
Richtig: Ich bin müde, weil ich schlecht geschlafen habe.

Der Satz ist verständlich, aber grammatikalisch nicht korrekt. Solche Fehler treten besonders häufig auf, wenn ChatGPT Inhalte aus dem Englischen überträgt, wo die Wortstellung deutlich freier ist.

 

3. Wörtliche Übersetzungen statt idiomatischer Lösungen

Beim Übersetzen zeigt sich eine der größten Schwächen von KI besonders deutlich: Redewendungen und feste Wortverbindungen werden oft zu wörtlich übertragen.

Beispiel:
Englisch: She took a deep breath.
Zu wörtlich: Sie nahm einen tiefen Atemzug.
Idiomatich korrekt: Sie atmete tief durch.

Oder:
Englisch: Let’s face it.
Falsch: Lass es uns ins Gesicht sehen.
Richtig: Seien wir ehrlich.

Solche Übersetzungen sind grammatikalisch korrekt, wirken aber unnatürlich oder sogar unfreiwillig komisch. Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen maschineller und professioneller menschlicher Übersetzung.

 

4. Kommasetzung: formal richtig gedacht, praktisch vergessen

Die deutsche Kommasetzung folgt klaren Regeln, insbesondere bei Nebensätzen und Infinitivgruppen. ChatGPT kennt diese Regeln, setzt sie aber nicht immer zuverlässig um.

Beispiel:
Falsch: Ich glaube dass dieser Text hilfreich ist.
Richtig: Ich glaube, dass dieser Text hilfreich ist.

Oder:
Falsch: Wenn es regnet gehen wir nach Hause.
Richtig: Wenn es regnet, gehen wir nach Hause.

Solche Fehler sind klein, haben aber große Wirkung – vor allem in professionellen Texten. Für Unternehmen, Behörden oder Veröffentlichungen sind sie schlicht nicht akzeptabel.

 

5. Stil und Register: korrekt, aber unpassend

Ein besonders interessanter Fehler betrifft nicht die Grammatik, sondern den Stil. ChatGPT trifft nicht immer das passende sprachliche Register – etwa bei formeller Kommunikation.

Beispiel:
Unpassend: Hi, wir melden uns wegen Ihrer Anfrage.
Besser: Gerne melden wir uns bezüglich Ihrer Anfrage.

Oder umgekehrt:
Zu formell: Wir möchten Sie höflich darauf aufmerksam machen…
Wenn eigentlich ein lockerer Ton erwartet wird.

Der Text ist korrekt, aber kommunikativ nicht optimal. Stilistische Feinabstimmung erfordert Kontext, Zielgruppenwissen und Erfahrung – Fähigkeiten, bei denen menschliche Sprachexpertise weiterhin klar im Vorteil ist.

 

Gute Texte brauchen mehr als Intelligenz

ChatGPT ist ein leistungsfähiges Werkzeug. Es kann Texte strukturieren, Ideen liefern und Entwürfe erstellen. Doch gerade im Deutschen zeigen sich Grenzen: bei Grammatikdetails, idiomatischem Ausdruck, Stil und sprachlicher Präzision.

Deshalb gilt besonders für professionelle Inhalte:
KI kann unterstützen – aber nicht ersetzen.
Wer Wert auf korrekte, natürliche und zielgruppengerechte deutsche Texte legt, kommt an qualifizierten Übersetzerinnen, Übersetzern und Lektorinnen und Lektoren nicht vorbei.

Und vielleicht ist das auch beruhigend: Perfekte Sprache bleibt – zumindest vorerst – eine menschliche Stärke.

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