Chronogramm befinden sich meist an Bau- und Kunstdenkmälern, auf Münzen und Medaillen sowie in Hand- und Druckschriften. Es handelt sich hierbei um Buchstaben- und Zahlenrätsel, wobei die Buchstaben in Satzteilen, Sätzen, Sprüchen oder Inschriften gleichzeitig römische Zahlen (I, V, X, L, C, D, M) sein können. Sie können gelesen werden und ein eigenes Rätsel ergeben oder sich in ihrer Summe auf eine Jahreszahl beziehen. Dabei ist lediglich die Summe der Zahlenwertbuchstaben wichtig, nicht aber die Ermittlung über die klassische Subtraktion.
Meist sind die Zahlbuchstaben durch eine andere Schreibweise (Größe, Dicke, Form, Farbe) erkennbar. Anders ist es jedoch bei Krypto(chrono)grammen, bei welchen die Zahlbuchstaben nicht explizit hervorgehoben sind und verborgen bleiben. Der Buchstabe Y wird als I + I also 2 gelesen und W als V + V, was wiederum 10 ergibt.
Y ist I + I = 2.
W ist V + V = 10.
Welche Arten von Chronogrammen gibt es?
Wer es ganz genau nehmen möchte, unterscheidet verschiedene Arten von Chronogrammen, denn sie sind nicht immer gleich. Man teilt Chronogramme daher folgendermaßen ein:
- Reine Chronogramme: Jedes Wort enthält ein Zahlzeichen und Bindewörter werden vermieden.
- Natürliche Chronogramme: Die Zahlzeichen stehen in der richtigen Reihenfolge, z.B. eine Inschrift zur Erinnerung an den Tod von Königin Elisabeth I von England: My Day Closed Is In Immortality ist MDCIII, das Todesjahr der Königin 1603.
- Unsaubere Chronogramme: Zahlbuchstaben werden nicht berücksichtigt.
- Pseudo-Chronogramme: Ein meist religiöser Text, der aus einem Chronogramm gelesen wird.
- Chronostichon: Richtet sich nach dem Versmaß des Hexameters.
- Chronodistichon: Chronogramm aus Hexa- und Pentameter.
LILICIDIVM - Lilicidium
Welche Zahl verbirgt sich hinter LILICIDIVM und was bedeutet das Wort „Lilicidium“?
Grundsätzlich bedeutet Lilicidium „Töten der Lilie“. Verändert man nun die Positionen der Buchstaben erhält man die Jahreszahl MDCLLVIIII, was wiederum 1709 ist. Das Jahr, in dem die Engländer, Preußen und Österreicher die französischen Truppen Ludwig XIV besiegten.
Die Lilie steht für das Wappen des Herrscherhauses Bourbon und das Lilienbanner Frankreichs.
Chronogramm aus dem Jahr 2021
Man könnte meinen, dass sich Chronogramme nur in älteren Inschriften befinden, doch auch in den letzten Jahren haben sie sich immer größerer Beliebtheit erfreut und finden sich in Widmungen wieder. So beispielsweise in einer aus dem Jahr 2018 stammende Chronogramm der Angelaschule in Osnabrück:
VERBA AVREA:
SI VIS AMARI AMA
Seneca, lib. ad Luc. 9,6
MMVVVIII oder V + V + I + VI + M + I + M = 5 + 5 + 1 + 6 + 1000 + 1 + 1000 = 2018.
- Oder das Chronogramm aus dem Jahr 2021: MDCCCCXXVVVVVVVVVVVVVVVVVIIIIIIIIIIIIIIII
1000 + 500 + 400 + 20 + 85 + 16 = 2021
VT COVID-XIX VIRVS
PERBREVI VINCATVR
IVVANTE SCIENTIA
PERITIIS NOVIS
VIRIBVS VNITIS
MVTVOQVE RESPECTV!
in aller Kürze besiegt werden
mit Hilfe der Wissenschaft,
mit neuen Erfahrungen,
mit vereinten Kräften
und gegenseitiger Rücksichtnahme!
- Im Doppelchronogramm der gleichen Schule ist die Jahreszahl 2020 sogar zweimal enthalten: M+M+MI+V+I+V+V+IMV+V+I+V+I+V = 1000 + 1000 + 1001 + 5 + 1 + 5 + 5 + 1006 + 5 + 1 + 5 + 1 + 5 oder MMMMVVVVVVVIIIII = 4040 : 2 = 2020.
MEMENTOTE, HOMINES SVPERBI:
„NOS NATVRA VTIMVR,
NATVRA NOBIS NON VTITVR!“
„Wir brauchen die Natur,
die Natur braucht uns nicht!“










Comments
Servus, MDCLLVIII wie oben
Eingereicht von Joachim Friedrich am
Servus, MDCLLVIII wie oben angegeben ist 1708 - da fehlt ein I für 1709 - in LILICIDIVMist das I (bzw. die 1) korrekt viermal enthalten. Also ein kleiner Übertragungsfehler ;-)Grüße, Joachim Friedrich
Leider wird manchmal auf die
Eingereicht von Martin Siegel am
Leider wird manchmal auf die Regeln der römischen Zahlen vergessen und Dinge bleiben vollkommen unlesbar und nur dem Erfinder erschließbar. Ich erkenne mehr als drei gleiche Zeichen hintereinander nicht als römische Zahlen. 2020 bleibt für mich: MMXX, 2021 MMXXI.Das LILICIDIUM scheint mir auch etwas konstruiert. Hat was von Zahlenmystik wo man irgendwelche Rechenoperationen einführt und vermischt ohne sie zu kennzeichnen und nur der "Eingeweihte" sie erkennen kann. Was besonders auffällt ist das Fehlen des X - kommt halt nicht so oft vor in sinnvollen Worten, dann lieber 7mal V - ist halt leider unlesbar und nicht als Zahl zu erkennen. VVVVVVV kann ja auch 6 sein 5+5+5+5+5+5=30 / 5 ist 6 genauso logisch. Jetzte muss man nur noch lateinsche Worte mit genügend Vs und Us finden und zu mehr oder weniger sinnvollen Sätzen formen.
Wir bedanken uns für Ihren
Eingereicht von Leemeta am
Wir bedanken uns für Ihren Kommentar. Sie haben das richtig festgestellt und den Fehler haben wir bereits im Beitrag korrigiert.
Wir bedanken uns für Ihren
Eingereicht von Leemeta am
Wir bedanken uns für Ihren Kommentar und Ihre ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema.
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