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Grammatik / 01. August 2019

„Sinn machen“ wird niemals Sinn ergeben

Dass die englische Sprache die deutsche Sprache beeinflusst, wissen wir bereits, doch seit geraumer Zeit scheint der grammatische Unsinn „Sinn machen“ im Deutschen für viele Muttersprachler Sinn zu ergeben.

Allerdings gibt es schlechte Nachrichten, denn den Ausdruck „Sinn machen“ gibt es nicht. Es handelt sich hierbei um eine Anlehnung an die englische Phrase „to make sense“, die jedoch nicht 1:1 übersetzt werden kann.

 

Warum der Ausdruck „Sinn machen“ Einzug in die deutsche Sprache gefunden hat, ist unklar.
Möglicherweise scheint es hip und trendig zu sein, englische Phrasen in den alltäglichen Sprachgebrauch zu übernehmen.

 

Ein weiterer Grund für die falsche Verwendung mag die Tatsache sein, dass „Sinn machen“ viel kürzer ist und somit leichter über die Lippen geht als „Sinn ergeben“. Betrachtet man die deutsche Sprache genauer, fällt auf, dass das Verb „machen“ sehr häufig verknüpft wird und nicht selten eine Anlehnung an eine englische Phrase ist: 

  • Unsinn machen
  • Spaß machen
  • Ernst machen
  • Das Frühstück machen
  • Karriere machen
  • Die Wäsche machen
  • Urlaub machen
  • Den Abwasch machen

Schnell wird klar, dass das Deutsche die Sprache der Macher ist und daher ist es nicht verwunderlich, dass „Sinn machen“ ganz selbstverständlich Einzug in den Sprachgebrauch gefunden hat. Das Verb „machen“ bedeutet, dass etwas gefertigt, hergestellt, präpariert, getan oder bewirkt wird.

 

Warum Sinn machen nicht möglich ist, Sinn ergeben aber doch!

Bei dem Ausdruck „Sinn“ handelt es sich um etwas Abstraktes, das man demzufolge nicht fertigen oder herstellen kann. Man kann zwar den Sinn suchen, finden, erkennen oder verstehen und der Sinn kann verloren gehen, aber man wird niemals Sinn machen können. Eine Eselsbrücke könnte daher sein: Es gibt kein Rezept um Sinn zu fertigen, kreieren, präparieren oder herzustellen.

 

Weitere Begriffe, die in diesem Zusammenhang verwendet werden können:

  • Das ist sinnvoll. / Das ist nicht sinnvoll.
  • Das hat alles keinen Sinn. 
  • Ich sehe keinen Sinn in diesem Vorhaben.

 

Fazit

Der Ausdruck „Sinn machen“ wird lediglich im umgangssprachlichen Gebrauch akzeptiert. Allerdings ist es keinesfalls gutes Deutsch und kann dazu führen, nicht ernst genommen zu werden. Der Kolumnist und Satiriker Max Goldt formuliert es als „primitiven Übersetzungsanglizismus“. Man kann nur hoffen, dass sich die deutsche Sprache diesem nicht beugt, sodass „Sinn machen“ schlimmstenfalls im Duden aufgenommen wird. 

Comments

Da stimme ich Ihnen zu. Ihre

Da stimme ich Ihnen zu. Ihre Beispiele könnten definitiv eine Idee für einen zusätzlichen Beitrag sein. Vielleicht kommt einer in der Zukunft :)

"Sinn machen" wird aber eben

"Sinn machen" wird aber eben NICHT verwendet wie Sinn ergeben. "Sinn ergeben" ist analytisch/ kognitiv, "Sinn machen" meistens pragmatisch gemeint. Also ist es eben nicht grammatikalisch austauschbar. Wobei man im Englischen "this makes sense" in beiden Fällen verwenden kann und es trotzdem richtig ist. Deutlich besser beschrieben hier:https://diekolumnisten.de/2...

Schaut man sich die

Schaut man sich die Verwendung von macht Sinn und ergibt Sinn an so wirkt es, als ob "ergibt Sinn" eher eine verkrampfte Eindeutschung von "makes sense" ist ähnlich wie "Klapprechner".

Liebe machen...? Liebe ist an

Liebe machen...? Liebe ist an sich ein Abstraktum, der Gebrauch im angeführten Beispiel wäre aber dennoch zu akzeptieren, weil hier das Wort Liebe - verschleiernd - für etwas Konkretes steht. Allerdings sind Wendungen wie "Einkauf machen" entbehrenswert; das Verb "einkaufen" wäre vorzuziehen.

Ic danke euch für diesen

Ic danke euch für diesen Beitrag, der mir auch sehr am Herzen liegt.Dazu aber die Ergänzung, dass ja im Kontext von "herstellen, fertigen etc." dann auch die Begriffe "Urlaub machen" oder "Ernst machen" nicht sinnvoll sind. Es sei denn man will ein Kind zeugen und es dann Ernst nennen.

Und wer trägt die

Und wer trägt die Deutungshoheit über das, was "gutes" oder "schlechtes" Deutsch ist?Solange der Sinn für jeden verständlich ist und kein grober Primärfehler in der Grammatik oder Rechtschreibung begangen wird, sollte es legitim sein, sich so auszudrücken, wie es für alle Seiten verständlich ist. Sprache ist für den Menschen geschaffen, nicht andersherum. Das "machen" bezieht sich übrigens auch gar nicht auf den Sinn ;)

Gibt es eine Quelle für die

Gibt es eine Quelle für die Aussage das es ein Anglisizmus ist? Es ist auch um einiges älter als ihr angenommen und bereits Lessing nutzte es (http://www.zeno.org/Literat...Ästhetische+Schriften/Briefe,+die+neueste+Literatur+betreffend/Fünfter+Teil) könnte es sein das sich dieser Beitrag sich nur auf den Volksmund stützt und keinen Bezug auf die deutsche Sprache die seit mindestens 250 Jahren Sinn macht sagt?

Ich finde es witzig, dass der

Ich finde es witzig, dass der Autor, kurz bevor er sich selbst widerlegt, seinen Satz dann doch abbricht. Erst heißt es "Das Verb 'machen' bedeutet, dass etwas gefertigt, hergestellt, präpariert, getan oder bewirkt wird." und im nächsten Satz heißt es lediglich nur noch "Bei dem Ausdruck 'Sinn' handelt es sich um etwas Abstraktes, das man demzufolge nicht fertigen oder herstellen kann". Im zweiten Satz wird die Bedeutung von "machen" nach Belieben des Autors auf nur noch die Verben reduziert, welche im Zusammenhang mit Sinn wirklich keinen Sinn ergeben, nämlich machen im Sinne von "herstellen". Das noch zuvor genannte Verb "bewirken" wird nicht mehr erwähnt. Dabei macht genau jenes deutlich, woher es rührt, dass man auch "Sinn machen" sagen kann. Wirken und ergeben sind Begriffe, die denselben Sachverhalt beschreiben können (eine Ursache verursacht eine Wirkung bzw. ein Ergebnis). Nicht grundlos werden die beiden Begriffe auch als Synonyme geführt. Letztendlich bricht der Begriff "Sinn machen" also nicht mit der deutschen Sprache, sondern zeigt viel eher die vielseitige Verwendbarkeit des Wortes "machen", die schon längst Eingang in unseren Sprachgebrauch gefunden hat.

Die bloße Behauptung etwas

Die bloße Behauptung etwas sei ein Anglizismus oder zumindest durchs Englische inspiriert reicht dem/der AutorIn scheinbar schon um die aufgelisteten Sätze und den Ausdruck "macht Sinn" zu diskreditieren. Die einzigen der genannten Begriffe die im Englischen genauso vorkommen ist, soweit ich das erkennen kann, "Frühstück machen" und "Karriere machen". Bei Frühstück machen handelt es sich um machen im Sinne von herstellen, ich würde behaupten dieser Ausdruck macht bzw ergibt also Sinn. Was den Abwasch und die Wäsche angeht, spricht der englische Muttersprachler von "do the dishes" und "do the laundry/washing", und während man im deutschen Urlaub macht, spricht man auf Englisch von "take a vacation". Zwar gibt es den Ausdruck "make fun", dieser bedeutet aber etwas ganz anderes als das deutsche "macht Spaß", nämlich sich über etwas lustig machen. So ist der deutsche Satz "Schwimmen macht Spaß" sicherlich korrekt, das englische *"Swimming makes fun" aber grammatikalisch falsch und gänzlich unverständlich. Ich sehe nicht wie dieser Ausdruck also aus dem Englischen entlehnt sein könnte. Außerdem sollte man hier feststellen dass Spaß genauso abstrakt wie Sinn ist und genauso wenig hergestellt werden kann, der/die AutorIn "macht Spaß" aber für korrekt hält.Zusammenfassend lässt sich feststellen: Konstruktion mit machen sind keineswegs alles oder größtenteils Anglizismen, und selbst mit abstrakten Begriffen kommen sie ursprünglich im deutschen vor. Vielleicht macht "macht Sinn" ja doch Sinn.

Da stimme ich Ihnen zu. Ihre

Da stimme ich Ihnen zu. Ihre Beispiele könnten definitiv eine Idee für einen zusätzlichen Beitrag sein. Vielleicht kommt einer in der Zukunft :)

Deine Antwort ist völlig

Deine Antwort ist völlig falsch und hat leider einen Dislike von mir verdient. „Sinn machen“ ist Umgangssprache und ist aus der englischen Phrase „to make sense“ hergeleitet. Nur „Sinn ergeben“ ist richtig, auch wenn ersteres heutzutage tatsächlich häufiger verwendet wird. Professionell sollte daher „Sinn ergeben“ verwendet werden.

Sehe das genauso. Außerdem

Sehe das genauso. Außerdem warte ich immer noch auf einen Beleg dafür, dass die Redewendung tatsächlich aus dem Englischen übernommen wurde, wie gerne behauptet wird.Dazu kommt: Selbst wenn dem so ist, ist das überhaupt kein Grund, diese Phrase abzulehnen. Wie du ja gut erläuterst, bricht sie überhaupt nicht mit der deutschen Sprache.

Weder ist dies ein Beleg noch

Weder ist dies ein Beleg noch erklärst du, warum die Antwort falsch ist.Deine Begründung läuft viel mehr hinaus auf:"Das ist falsch.. weil es falsch ist!Ich habe das so oft gelesen/gehört, dann muss es einfach auch ohne Begründung stimmen!Punkt!Warum? Weil es häufig so geschrieben wird!".

Es fehlen auch in deinem

Es fehlen auch in deinem Beitrag nach wie vor entsprechende Belege. Nur "Sinn ergeben" sei richtig, ist eine steile, nicht belegte These.

Ich bin ganz Deiner Meinung.

Ich bin ganz Deiner Meinung. Witzig ist auch das Beispiel "Urlaub machen". Urlaub ist abstrakt, man kann Urlaub nicht herstellen oder fertigen. "Urlaub machen" ist m.E. ein Beispiel, das die Vielseitigkeit des Verbs "machen" zeigt und somit "Sinn machen" eher unterstützt.

Einen Beleg für die Ableitung

Einen Beleg für die Ableitung aus dem Englischen bringst du aber nicht. Damit bleibt deine Behauptung bisher noch These, die es zu überprüfen gilt.

hätte Muretus nicht vorher

hätte Muretus nicht vorher zeigen müssen, dass καθαριζειν λαμπρον και καλως keinen sinn, oder wenigstens keinen guten sinn machen? Lessing 6, 302Der Beitrag strotz nur so von Sprachkonservativismus. Anstelle einen Wandel der Sprache zu beobachten und zu beschreiben, Gründe anzugeben und Belege für Herkunft zu suchen, wird hier größtenteils polemisch und abwertend auf ebenjenen geblickt. Das ist recht schade und bringt die Debatte und vor allem den Erkenntnisgewinn wenig voran. Ein kurzer Blick ins DWB (Wörterbuch der Gebrüder Grimm) unter dem Stichwort "Sinn" mit der Suchmaske "machen" reicht, um festzustellen, dass Konstruktionen wie "Sinn machen" schon von Lessing benutzt wurden: "[…] hätte Muretus nicht vorher zeigen müssen, dass καθαριζειν λαμπρον και καλως keinen sinn, oder wenigstens keinen guten sinn machen? Lessing 6, 302".Ob er das tat, weil er unter dem Einfluss der englischen Sprache stand oder weil er es - wie im Artikel beschrieben - für "hip" hielt, dürfte mindestens zu bezweifeln sein.

Nicht verwirren lassen von

Nicht verwirren lassen von Halbgebildeten! Hier wird sogar gesagt, dass sich die Phrase für Muttersprachler richtig anhört. Somit hat sie es in das Langue System der deutschen Sprache geschafft. Bald wird sie auch aus dem Umgangssprachlichen in den Standard aufsteigen. So funktioniert nämlich Sprachdynamik. Auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die gegen Entwicklung sind, die meinen, alles müsste bleiben wie es früher war. Ich frage mich, warum der Autor dieses Artikels nicht gleich auf Mittelhochdeutsch geschrieben hat! :D

Anscheinend ist vielen nicht

Anscheinend ist vielen nicht klar, was den Unterschied zwischen präskriptiver und deskriptiver Grammatik ausmacht. Ihr macht hier Aussagen über “richtig” und “falsch” - so einfach ist das in der Linguistik nicht. Es gibt viele Parameter, die beachtet werden müssen und manche davon werden je nach Kontext wichtiger oder unwichtiger. Sinn machen sagen alle, in der Zeitung hätte ich auch kein Problem damit - nur in wissenschaftlichen Arbeiten sollte man sich unklare Formulierungen verkneifen. Deshalb ist diese Phrase noch lange nicht “falsch”!

Schaut man sich die

Schaut man sich die Verwendung von macht Sinn und ergibt Sinn an so wirkt es, als ob "ergibt Sinn" eher eine verkrampfte Eindeutschung von "makes sense" ist ähnlich wie "Klapprechner".

Die Begründung ist irrsinnig.

Die Begründung ist irrsinnig. Redewendungen, Floskeln und Pipapo sind nicht immer wortwörtlich zu nehmen. Wenn ich jmd. böse Blicke zuwerfe, werfe ich ihm nicht tatsächlich was zu und wenn Taten ins Auge gehen, dann hab ichnicht tatsächlich was im Auge, zumal Taten selbst auch eher Abstrakt sind. In diesem Fall ist es bildlich/metaphorisch zu nehmen. Zumal etwas ja auch nicht Sinn "ergibt" man hat ja am Ende kein festes Produkt...Was im Endeffekt zählt ist, wie oft und wo wird es genutzt und es wird genug benutzt, um grammatikalisch richtig zu sein, sodass "Sinn machen" auch im Duden steht.

Jedenfalls sind Redewendungen

Jedenfalls sind Redewendungen etwas, was die Sprache bereichert und nur sinngemäß "wortwörtlich" zu nehmen ist. So wie sich die Sprache ändert, unterscheidet sich auch wie Leute die Sprache und sprachliche Änderungen annehmen. Sie werden (und sollen) aber bestimmt ein Teil der sprachlichen Entwicklung sein.

Die Meinungen über einzelne

Die Meinungen über einzelne Änderungen in der Sprache werden von verschiedenen Leute auch immer verschieden angenommen, was immerhin ein Teil jeder solchen Dynamik ist. Ist aber immer gut, verschiedene Meinungen von unseren Lesern zu hören.

seit wann ist Sinn machen

seit wann ist Sinn machen umgangssprachlich? Sinn ist eine Konstruktionleistung von Menschen in Interaktion, also "gemacht", und nicht "ergeben" (das implizieren würde, das Sinn eine Ontologie hätte, und sich quasi von oben herab "ergeben" würde, ziemlich veraltetere Vorstellung).....Vielleicht sollten die Autor*innen sich mal mit gegenwärtiger Phänomenologie auseinandersetzen, bevor Sie darüber amateurhaft reden welchen Status "Sinn" hat.

Ein paar kurze Fragen: Wenn

Ein paar kurze Fragen: Wenn etwas angeblich keinen "Sinn machen" kann, wieso kann dann etwas "Spaß machen"? Ist Spaß etwa etwas Konkretes im Gegensatz zu Sinn? Und wenn "Sinn machen" angeblich aus dem Englischen kommt. Wieso sagen die Engländer dann nicht "it makes fun"?

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