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Pennsylvania Dutch oder Pennsylvaniadeutsch – so spricht man in den USA Deutsch
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Interessantes / 06. Januar 2022

Sprachinseln: Pennsylvania Dutch

Pennsylvania Dutch - auch Pennsylvania German, Pennsylvaniadeutsch, Pensilfaanisch, Pennsilfaanisch Deitsch, Pennsilfaani oder Pensilveni-Deitsch – ist eine in Nordamerika gesprochene Sprachvariante der deutschen Sprache, die überwiegend auf pfälzischen Dialekten basiert.

 

Die Sprache wird hauptsächlich in den US-Bundesstaaten Ohio, Pennsylvania und Indiana, aber auch im kanadischen Ontario, gesprochen. Aber auch Amische und Mennoniten in den Bundesstaaten Iowa, Kentucky, Michigan, Missouri, New York, Kansas, Oklahoma, Minnesota, Montana und Wisconsin sprechen Pennsylvania Dutch.

 

Das Pennsylvaniahochdeutsch ist eine ältere Variante des Hochdeutschen, dessen sprachliche Grundlage im 18./19. Jahrhundert zu finden ist und mit Elementen des Pennsylvaniadeutschen und des amerikanischen Englisch ergänzt wurde.

 

Was hat das Wort Dutch (Niederländer) mit den Pennsylvaniadeutschen zu tun?

Die Begrifflichkeit „Dutch“ geht auf den sprachökonomischen Wandel zurück, wobei die eigene Bezeichnung der Pennsylvaniadeutschen „Deitsch“ ist, aber von den englischsprachigen als „Dutch“ (Niederländer) ausgesprochen wurde.

 

Die Wörter dutch, deitsch, deutsch, tysk, duits und diets haben aber nicht nur eine lautliche Ähnlichkeit, sondern besitzen auch einen sprachlichen Ursprung im urgermanischen Wort *þiudiskaz (zum Volk oder Stammesangehörigen gehörig).

 

Die Pennsylvania Dutch betrachteten die Deutschen, die im 19. Jahrhundert einwanderten als verwandt, aber unterschiedlich, d.h. elitär und herablassen, demgegenüber betrachteten die neu eingewanderten Deutschamerikaner die Pennsylvania Dutch als rückständig und kritisierten ihren fehlenden Nationalstolz und mangelnde Hochdeutschkenntnisse.

 

Daher bezeichneten sich die Pennsylvania Dutch als „Deitsche“ und die neuen Deutschen als „Deitschlenner“ (Deutschländer), ein Begriff, der heute noch unter deutschsprachigen Personen in Namibia und Rumänien genutzt wird.

 

Woher kamen die Einwanderer?

Aufgrund religiöser Verfolgung wanderten die Mitglieder verschiedener protestantischer Glaubensrichtungen (Mennoniten, Pietisten, Schwenkfelder) im 18. Jahrhundert nach Pennsylvania aus. Die meisten kamen aus der Kurpfalz, aber auch aus Baden, Württemberg, der deutschsprachigen Schweiz und dem Elsass.

Viele stammten aus der historischen Kurpfalz, aber auch aus den angrenzenden Gebieten in BadenWürttemberg, der deutschsprachigen Schweiz und dem Elsass. Der Großteil der Einwanderer kam nach 1710. Im 18. Jahrhundert existierten je nach Bevölkerungszusammensetzung daher noch unterschiedliche Dialekträume, wobei bereits auf lokaler Ebene ein Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Dialekten (Mittelfränkisch, Schwäbisch, Bairisch, Rheinfränkisch) stattfand, wobei sich das Pfälzische durchsetzen konnte.

 

Besonderheiten des Pennsylvania Dutch

Das Pennsylvania Dutch hat demnach viele Ähnlichkeiten mit dem Pfälzischen und ähnelt ihm in der Grundstruktur, vor allem den Dialekten, die zwischen Mannheim, Ludwigshafen, Speyer und Neustadt gesprochen werden.

Dennoch weist das Pennsylvania Dutch eigene Besonderheiten auf:

  • Der unbestimmte Artikel ist immer „en“ (ein), d.h. en Fraa (Frau) und en Mann.
  • Das „sch“ und das als Ich-Laut ausgesprochene ch dürfen nicht zusammenfallen.
  • Das „r“ wird entweder wie im amerikanischen Englisch oder als Zungen-r gesprochen, wenn es nicht am Silbenende wegfällt.
  • Der Doppellaut „au“ wird als langes a gesprochen.
  • Es werden alte Wörter verwendet: seller (dieser, jener), ebbes (etwas) oder ass (das/was).
  • Es gibt viele Lehnwörter (Verben, Adjektive) des amerikanischen Englisch, die aber wie ein deutsches Wort flektiert werden: „to farm“ wird „ich hab gefarmt“; „to jump“ wird zu „ist gejumpt“.  
    • Substantive bekommen einen deutschen Artikel und werden in Komposita mit deutschen Substantiven gebraucht: Carpenterarwett ist aus „carpenter“ (Schreiner) und „arwett“ (Arbeit) zusammengesetzt.
  • Das Wort „tun“ wird häufig verwendet, d.h. die Verben werden zusammen mit duh (tun) als Hilfsverb konjugiert: ich duh Kieh melke (ich melke Kühe).
  • Auch das am-Progressiv wird häufig eingebaut: Ich bin am melke.

 

Einflüsse aus dem amerikanischen Englischen

Wie bereits erwähnt, bedient sich das Pennsylvania Dutch vieler Lehnwörter aus dem amerikanischen Englisch und behandelt diese teilweise wie deutsche Wörter oder kombiniert sie mit diesen. Des Weiteren gibt es auch semantische Entlehnungen aus der englischen Sprache: hod sich besser ausgedreht, was sich vom Englischen „has turned out better“ ablehnen lässt.

Ferner gibt es Lehnbedeutungen, d.h. die Bedeutung eines englischen Wortes beeinflusst die des deutschen Wortes: „ich gleich“ für „ich mag“ wurde vom Englischen „I like“ und dem Adjektiv „like“ beeinflusst.

Ebenso wurde auch die Aussprache des Pennsylvania Dutch durch das amerikanische Englisch beeinflusst, sodass die Aussprache von „r“ und „l“ wie im Englischen klingt.

 

Sprachliche Beispiele Pennsylvania Dutch

Ein Beispiel für die klassische Orthografie des Pennsylvania Dutch ist hier im Vaterunser sichtbar:

 

„Unser Vadder im Himmel,
Dei Naame loss heilich sei,
Dei Reich loss komme,
Dei Wille loss gedu sei,
uff die Erd wie im Himmel.
Unser deeglich Brot gebb uns heit,
Un vergebb unser Schulde,
wie mir die vergewwe wu uns schuldich sinn.
Un fiehr uns net in die Versuchung,
awwer hald uns vum ewile.
Fer Dei is es Reich, die Graft,
un die Hallichkeit in Ewichkeit.
Amen.“

 

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