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Gottscheer, Zarz, Rut, Slowenien, Sprachinseln, Tradition
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Interessantes / 16. März 2023

Sprachinseln in Europa: Gottscheer, Zarz und Rut in Slowenien

Gottscheer, Zarz und Rut (auch: Deutschrut) sind ehemalige deutschsprachige Bevölkerungen, die in Slowenien ansässig waren. Sie zählen somit zu einer der wichtigsten deutschen Sprachinseln im europäischen Raum. Welche Besonderheiten die einzelnen deutschen Gruppen aufwiesen und in welchen Regionen sie sich ansiedelten, möchten wir Ihnen im folgenden Artikel erläutern. Kennen Sie Sprachbeispiele der genannten Sprachinseln? Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Als Sprachinsel bezeichnet man eine verhältnismäßig kleine geschlossene Sprach- und Siedlungsgemeinschaft, die sich in einem größeren fremden Sprachgebiet ansiedelt. Auch in Teilen Sloweniens sprach man einst Deutsch. Die Gottscheer, Zarz und Rut sind eine deutschsprachige Bevölkerung, die in Slowenien ansässig waren.

 

Die Zarz in den Julischen Alpen

Die Zarz (slowenisch Sorica) sind eine ehemalige deutsche Sprachinsel, die sich in einem abgelegenen Gebiet der Julischen Alpen ansiedelten. Zu dieser Sprachinsel gehörten die Dörfer Unterzarz (Spodnja Sorica) und Oberzarz (Zgornja Sorica) im Oberlauf der Selzacher Zeier (Selska Sora), Deutschgereuth (Nemski Rovt) sowie Deutschrut (einst Nemski Rut).

 

Geschichte der Zarz

Das Gebiet von Sorica entwickelte sich im frühen Mittelalter unter bairischer Freisinger Herrschaft. Damals schenkte der deutsche Kaiser Otto II. dem Bischoff Abraham von Freising im Jahr 973 einen Teil des Gebiets in Krain. Der Herzog von Baiern Tassilo III. hatte im Jahr 769 Bischof Atto von Freising das Recht über das Gebiet zwischen Gsieser Bach und Erlbach für die Errichtung des Benediktinerklosters im heutigen Innichen gegeben. Zur damaligen Zeit war das Gebiet noch unbesiedelt und die Bairischen Bischöfe die ersten Siedler. Als die Bevölkerung wuchs schenkte Bischof Emicho von Freising den Siedlern von Innichen Ende des 13. Jahrhunderts weiteres Land im Gebiet Zarz.

 

Die Sprache der Zarz

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in Zarz ein altertümlicher Dialekt des Pustertals gesprochen. Obwohl Deutsch die Amtssprache war, ging der Gebrauch der deutschen Sprache in Zarz zurück. Dies lag daran, dass die Beziehung zur slowenischsprachigen Umgebung im Laufe des 19. Jahrhunderts immer enger wurde. Die österreich-ungarische Volkszählung von 1910 wies Zarz als rein slowenischsprachig aus. 1941 wurde eine Mischsprache mit deutschem Vokabular und slowenischer Grammatik gesprochen. Der Wortschatz beinhaltete zu 80 % Wörter aus dem „Altpustertaler Gut“. Da im Jahre 1945 alle Bewohner Slowenisch sprachen, waren sie nicht von der Vertreibung deutscher Minderheiten gemäß den AVNOJ-Beschlüssen betroffen. Allerdings gibt es bis heute noch deutsche Begriffe für Bergnamen (Altemaver, Tonderškofel, Kogel) und andere geografischen Orte (Driselpoh-Schlucht).

 

Die Rut

Rut ist ein Dorf, das zur Gemeinde Tolmin gehört. Rut und die umliegenden Nachbardörfer Grant, Podbrdo, Kuk, Baca pri Podbrdu, Obloke, Kal und Korithnica sind im 13. Jahrhundert durch die Ansiedlung von Einwanderern aus Tirol entstanden. Die Siedler stammten aus dem Raum um Innichen im Hochpustertal. Das Dorf Deutschruth war Teil der ehemaligen deutschen Sprachinsel Zarz.

 

Die Gottscheer

Die Gottscheer sind eine ehemalige deutschsprachige Bevölkerung des Gottscheer Landes (Kocevska) im Herzogtum Krain (heute Slowenien), einer deutschen Sprachinsel, deren Zentrum die Stadt Gottschee (Kocevje) war. Die Gottscheer kamen als Bauern und umherziehende Krämer; sie bewahrten 6 Jahrhunderte ihren südbairischen Dialekt, das Gottscheerische.

 

Die Geschichte der Gottscheer

Zwischen 1330 und Ende des 14. Jahrhunderts siedelten sich im Gebiet Gottschee deutsche Bauern aus Kärnten und Osttirol an. Die erste deutsche Ortschaft war Mooswald. Im Jahre 1492 erhielten die Gottscheer das Hausierpatent, welches bis 1918 gültig war und lebten vom Handel mit Leintüchern, Holzgeräten und anderen Erzeugnissen. 1507 wurde Gottschee an den Grafen Jörg von Thurn verpfändet, allerdings wurde er im Rahmen eines Aufstands, des „Windischer Bauernkrieges“ erschlagen.  Später wurde die Gottschee von Hans Ungnad gekauft und 1547 an den kroatischen Grafen von Blagay verpfändet; die Gottscheer Familiennamen gingen somit auf -ic bzw. -itsch zurück. Im Laufe der nächsten Jahre wurde Gottschee an viele Grafen und Freiherrn verkauft; von 1809 bis 1814 war Gottschee unter der Herrschaft Napoleon und ging danach wieder an die Habsburger Herrschaft.  Durch Armut waren viele ab 1878 zur Auswanderung in die USA gezwungen und nach 1918 kam der Druck gegen die deutschen Minderheiten im Königreich Jugoslawien hinzu. Durch die Gründung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen wurden die Gottscheer zu einer ethnischen Minderheit.

 

Die Gottscheer nach dem Krieg und heute

1945 flohen fast alle Gottscheer oder wurden auf Grund der AVNOJ-Beschlüsse vertrieben. Die Zahl der bei Kriegsende in der Heimat verbliebenen Gottscheer ist kaum ermittelbar. Insgesamt blieben nur etwa tausend Gottscheer in Slowenien zurück. Die meisten Gottscheerfamilien leben bis heute im Tal Moschnitze zwischen Kočevske Poljane (Pöllandl) und Črmošnjice (Tschermoschnitz). Die Gottscheer Mundart wurde nur in Ausnahmefällen an die nächste Generation weitergegeben, so dass das Slowenische zur Umgangssprache auch innerhalb der Familie wurde.

In Slowenien leben nur noch wenige Nachkommen der Gottscheer. Der Gottscheer Dialekt wird nur noch von sehr wenigen, meist alten Menschen gesprochen. Es gibt aktuell 5 Organisationen von Gottscheern bzw. Gottscheer Deutschen und deren Nachkommen in Slowenien.

Die vertriebenen Gottscheer gelangten 1945 zunächst nach Österreich, wobei sich besonders viele in Kärnten und der Steiermark niederließen. Auch in Deutschland ließen sich etwa tausend Gottscheer nieder. Andere zog es in die USA, vor allem nach Cleveland und New York.

 

Alle Artikel über Sprachinseln in unserem Blog

 

Besuchen Sie unseren Blog auch nächste Woche, wenn wir über Plautdietsch Russlandmennoniten sprechen werden.

 

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